Sanft gegarter japanischer Kurzkornreis mit frischen Kastanien, dezent gesalzen und mit schwarzem Sesam bestreut – das Reisgericht des Herbstes.
Die ersten Kastanien liegen auf den Marktständen, und die Lust auf eine warme Reisschale ist plötzlich wieder da.
Kuri Gohan antwortet darauf mit schlichter Fülle: weiche Reiskörner, zarte goldgelbe Kastanienstücke und sanfter Dampf, der beim Öffnen des Deckels aufsteigt. Salz und ein Schuss Sake heben die Aromen, ohne die Kastanie je zu überdecken.

Was ist Kuri Gohan?
Kuri Gohan, geschrieben 栗ご飯, bedeutet „Reis mit Kastanien“: kuri für die Kastanie, gohan für gekochten Reis oder Mahlzeit. In seiner einfachsten Form werden frische Kastanien mit japanischem Kurzkornreis und einer Prise Salz gegart. Je nach Region gibt man für das Aroma manchmal Sake oder ein kleines Stück Kombu für eine dezente Umami-Note dazu. Besonders in Kyoto bleibt das Gericht hell, mit klaren Aromen.
Seine Identität liegt in der Textur: Die Kastanienstücke bleiben groß, zart und cremig, eingebettet in weiche, leicht klebrige Körner. Es ist kein kräftig gewürztes Takikomi Gohan: Kommt Sojasauce ins Spiel, bleibt sie dezent und hell, damit der Reis blass und die Kastanien sichtbar bleiben. Kuri Okowa, noch klebriger, erhöht den Anteil an Klebreis, und die großen, süßen Kastanien aus Tamba nördlich von Kyoto sind seit Langem begehrt.
Von Tamba-Kastanien bis zu den Tischen der Shogune
Kastanien sind seit der Jōmon-Zeit fest in der japanischen Ernährung verwurzelt und wurden später an den Tischen der Elite geschätzt. Die Kastanien aus Tamba nördlich von Kyoto waren bereits in der Heian-Zeit von 794 bis 1185 berühmt; wegen ihrer Größe und Süße schenkte man sie Shogunen und Kaisern. Dieses Prestige haftet dem Gericht bis heute an, das schlicht, aber mit Sorgfalt zubereitet geblieben ist.

Im Herbst nimmt Kuri Gohan einen besonderen Platz ein. Die Kastanie steht für Fülle und Glück, und der Kastanienreis ist mit Chōyō no Sekku verbunden, dem Chrysanthemenfest am neunten Tag des neunten Monats. Man findet ihn auch in manchen shintōistischen Opfergaben, als Zeichen von Ernte und Dankbarkeit.
Das Gericht eroberte schließlich Adel wie Volk. Heute serviert man es zu Hause, bei Erntefesten, in Kantinen und in Restaurants der Kastanienregionen. In der japanischen Küche lebt es von maßvoller Würzung: Salz holt die Süße hervor, ohne sie zu überdecken, und eine Prise Goma-shio aus schwarzem Sesam und Salz vollendet die Schale.
Die Hauptzutaten für Kuri Gohan

Frische Kastanien sind das Herzstück, idealerweise japanische Sorten wie die aus Tamba: vollrunder Geschmack, cremige Textur, goldgelbe Farbe. Die harte Schale und die bittere Innenhaut, die Shibukawa, entfernen und die Kastanien anschließend in klarem Wasser abspülen, um Verfärbung und Bitterkeit zu vermeiden. Japanischer Kurzkornreis sorgt für den vollen, leicht klebrigen Biss; ein Anteil Mochigome von 10 bis 20 % macht ihn noch weicher, ganz nah an Okowa.
Die Würzung bleibt minimal. Salz leistet die Hauptarbeit: Es betont die Süße von Reis und Kastanien, ohne das Gericht salzig zu machen. Das Wasser wie für japanischen Naturreis dosieren, kaum angepasst, denn die Kastanien garen obenauf im Dampf. Ein bis zwei Esslöffel Sake runden das Aroma ab, und ein etwa 5 cm großes Stück Kombu sorgt für eine klare Umami-Note.
Den Abschluss bildet Goma-shio, jene Mischung aus schwarzem Sesam und Salz, die für Kontrast und feinen Biss sorgt. Manche Familien geben einen Spritzer helle oder weiße Sojasauce für mehr Würze dazu; die Kyoto-Varianten halten den Reis hell, andere färben ihn etwas dunkler.
Hinweise zur Authentizität und Fehler, die es zu vermeiden gilt
Das Kennzeichen eines guten Kuri Gohan ist eine zurückhaltende Würzung auf Salzbasis. Sake, Kombu, ein bis zwei Teelöffel helle Sojasauce oder etwas Mochigome haben ihren Platz, sofern sie die Kastanie begleiten, ohne sie zu überdecken.
Die Kastanien auf dem Reis liegend garen, dann nach dem Dämpfen vorsichtig unterheben, damit die Stücke ganz bleiben.

Zu vermeiden sind kandierte Kastanien oder solche in Sirup, Knoblauch, Butter, dunkle Sojasauce und zu kräftige Brühen – sie würden das Gericht erdrücken. In der Schale servieren, mit einer Prise Goma-shio, oft begleitet von Misosuppe oder eingelegtem Gemüse. So bleiben die helle Farbe, die zarte Textur des Reises und die Süße der Kastanien erhalten.

Zutaten
- 300 g Reis (Trockengewicht)
- 300 g Kastanien mit Schale
- 440 ml Wasser
- Gerösteter schwarzer Sesam etwas zum Garnieren
Anleitungen
Vorbereitung
- Wasche den Reis mindestens 30 Minuten vorher, gib ihn in ein Sieb und lasse ihn gut abtropfen.300 g Reis (Trockengewicht)

- Übergieße die Kastanien mit reichlich kochendem Wasser und lasse sie darin stehen, bis das Wasser abgekühlt ist, damit sich die Häute leichter lösen.300 g Kastanien
- Schäle die Kastanien mit einem Messer, entferne dabei die harte Schale und die feine Innenhaut und lege sie anschließend in Wasser ein.440 ml Wasser

Garen
- Gib den abgetropften Reis in den Reiskocher.
- Füge das Wasser sowie Sake, Mirin, Sojasauce und Salz hinzu.2 Esslöffel Sake, 0.5 Esslöffel Mirin, 1 Teelöffel Sojasauce, 0.75 Teelöffel Salz

- Rühre einmal kräftig vom Boden her um und streiche die Oberfläche glatt.
- Verteile die Kastanien obenauf, ohne sie unterzurühren, und gare den Reis im Reiskocher im Standardprogramm.

Servieren
- Verteile den Reis in Schüsseln und bestreue ihn mit geröstetem schwarzem Sesam.Gerösteter schwarzer Sesam
