Kräftig-würziger, sautierter Thunfisch mit Doenjang, Gochujang und Cheongyang-Chilis, serviert in Salatblättern mit einer reichhaltigen, leicht süßen Sauce
Dampf steigt aus einem noch lauwarmen ssam auf, der Sesam entfaltet seine nussige Note, und eine glänzende, ziegelrote Paste mit wunderbar zartem Thunfisch landet direkt im Bissen. Zuerst prickelt die Schärfe der Chili, dann klingt sie sauber ab: herzhaft, tiefgründig, mit genau der richtigen Meeresnote.
Das ist chamchi ssamjang: ein ausdrucksstarkes Würzmittel mit feinem Meeresaroma, in dem die fermentierte Fülle des jang auf den klaren Geschmack von Thunfisch trifft.
Was ist Chamchi ssamjang?
Chamchi ssamjang (참치쌈장) bedeutet wörtlich „ssamjang mit Thunfisch“. Chamchi (참치) heißt Thunfisch, ssam (쌈) bezeichnet einen eingewickelten Bissen, und jang (장) steht für koreanische fermentierte Saucen und Pasten; ssamjang (쌈장) ist also ein jang, das speziell für ssam gedacht ist.
In der Schüssel ist es ganz klar ein ssamjang, aufgebaut auf dem Duo aus Doenjang und Gochujang, in variablen Anteilen (oft mit mehr Doenjang als Gochujang). Dazu kommen Knoblauch, Zwiebel, Frühlingszwiebel (pa) oder daepa (koreanischer Lauch) sowie Sesam.

Der Thunfisch, meist aus der Dose, bringt Körper, noch mehr Umami und eine sanfte Meersalzigkeit mit.
Die zwei Textur-Varianten
Grundsätzlich lassen sich zwei Varianten unterscheiden: Die erste ist die kalt angerührte Version, eine schnelle Mischung, die direkt am Tisch zubereitet wird. Der Thunfisch wird dabei einfach so eingearbeitet, wie er ist. So entsteht eine leuchtende Paste mit gut sichtbaren Stücken und einem klaren, salzig-herzhaften Charakter.
Die zweite ist die gekochte Version: Zunächst lässt man die Aromaten im Öl weich werden, oft direkt im Öl aus der Dose. Anschließend wird das jang mit einem Schuss Wasser oder Brühe gelockert und eingekocht, bevor der Thunfisch erst zum Schluss dazukommt. Das Ergebnis: eine dickere, rundere Textur, deren Salzigkeit durch Hitze und Reduktion abgemildert wird.
Das Grundprofil bleibt in beiden Fällen gleich: fermentierte Tiefe durch Doenjang; süßliche Schärfe und ziegelrote Farbe durch Gochujang; eine Basis aus Knoblauch, Zwiebel und Frühlingszwiebel; Sesamöl und Sesamsamen für Cremigkeit und nussige Noten; anpassbare Schärfe durch frische Chilis oder Gochugaru; und ein Hauch Süße, um das Salz auszubalancieren.
Die Ursprünge des Chamchi Ssamjang
Da chamchi ssamjang fast immer mit Thunfisch aus der Dose zubereitet wird, ist seine Geschichte im Wesentlichen modern. Ein Wirtschaftsartikel aus dem Jahr 2003 berichtet, dass Dongwon 1982 Thunfischkonserven in Korea einführte – ein sehr konkreter chronologischer Anhaltspunkt. Kein Manuskript aus der Joseon-Zeit erwähnt dieses Rezept; die Logik von ssam und jang hingegen zieht sich durch die Jahrhunderte.
Regionale Quellen helfen, seine Ausprägung genauer zu fassen: Laut der lokalen Presse in Busan aus dem Jahr 2008 ergibt „Fisch im ssamjang“ (zum Beispiel Makrele, Thunfisch oder Stöcker) entlang der Küste von Busan bis Gyeongsangnam-do eine dickere, proteinreichere Paste.
Im Zentrum und im Norden, etwa in Seoul und Gyeonggi, übernimmt dagegen oft Tofu die Rolle des proteinreichen Verdickers – für einen leichteren Aufstrich mit weniger ausgeprägtem Fischcharakter. Beide Ansätze behalten dieselbe jang-Grundlage und dieselben Aromaten bei; was sich ändert, ist das Protein, und damit auch Textur und Gesamtwirkung. Wer es in den Kontext einer koreanischen Tafel einordnen möchte, kann die Parallele zu Kimbap (die Logik kleiner Bissen) oder zu Samgyeopsal, serviert in Blättern, ziehen.

Hinweise in koreanischen Medien zeigen eine stetige Entwicklung: Ende der 2000er-Jahre veröffentlichten Websites für Hausmannskost Rezepte für Thunfisch-ssamjang, von der schnellen Minutenmischung am Tisch bis hin zu familienfreundlicheren, milden und wenig scharfen Varianten. Mayonnaise taucht bereits in koreanischen Quellen von 2008–2009 auf: Sie wird als Option verwendet, nicht als Regel.
Ein Artikel von 2010 über Bento-Boxen stellt ein minimalistisches „Thunfisch-ssamjang“ einer klassischeren, stärker auf jang ausgerichteten Version mit pazifischem Makrelenhecht (Sanma) gegenüber – ein Hinweis darauf, dass es lokale Variationen sogar bei den Namen gibt. 2017 machte Baek Jong-won (Home Food Made Simple 3, 집밥 백선생3) eine gekochte Methode populär: Öl aus der Dose, weich angeschwitzter Knoblauch und Zwiebeln, Doenjang und Gochujang mit einem Schuss Wasser, etwas Zucker und zum Schluss Thunfisch. Dieser Ansatz etablierte in den Küchen der Fernsehzuschauer dauerhaft einen Stil, der am Gaumen weniger salzig wirkt.
Authentizität bedeutet hier also nicht einen einzigen verbindlichen Kanon, sondern ein Set verlässlicher Orientierungspunkte: ein Kern aus jang, Aromaten, Sesam und kontrollierter Süße, der je nach Region und Gewohnheiten des jeweiligen Haushalts variiert wird.
Hauptzutaten für Chamchi Ssamjang

- Thunfisch aus der Dose (oft in Öl): das wichtigste Protein, bringt fleischiges Umami, eine leichte Meersalzigkeit und eine gut streichfähige Textur; das Öl dient als Geschmacksträger für die Aromaten
- Doenjang (Sojabohnenpaste): sorgt für Salzigkeit, tiefe Fermentation und Rundheit; das Gerüst, das die Identität von ssamjang prägt, vergleichbar mit einer Miso-Sauce, wenn man die Familie fermentierter Pasten einordnen möchte.
- Gochujang (Chilipaste): bringt süßliche Schärfe, Farbe und Bindung; meist in geringerem Anteil als Doenjang, damit die Fermentation im Vordergrund bleibt (wenn Sie sehr scharfe Aromen mögen, lohnt sich auch ein Blick auf Chilipulver).
- Frische grüne Chili (zum Beispiel cheongyang), optional: klare, direkte Schärfe, die reichere Aromen auffrischt (in einem anderen Register zeigt Jeyuk Bokkeum diese geradlinige Chilinote sehr gut).
- Sesamöl und Sesamsamen: nussige Signatur und seidige Fülle zum Schluss; ein Klassiker, sowohl für das Aroma als auch für die Textur (wenn Sie Sesam in Saucen mögen, ist Goma Dare (Sesamsauce) eine gute Referenz).
- Pinienkerne oder Nüsse (optional): subtile Fülle und leicht körnige Textur, wie man sie in besonders nussigen jang-Mischungen findet.
- Tofu (regionale Alternative im Zentrum und Norden): proteinreicher Verdicker, wenn kein Fisch verwendet wird, während die Logik „Protein im ssamjang“ erhalten bleibt (für einen anderen Tofu-Ansatz ist Mapo Tofu ein interessanter Bezugspunkt).

Zutaten
- 400 g Thunfisch aus der Dose ca. 2 Dosen
- Öl aus den Thunfischdosen aufgefangen
- 1 Zwiebel ca. 200 g, gehackt
- 1 Stange Frühlingszwiebel ca. 100 g, gehackt
- 4 EL Knoblauch gehackt
- 6 frische Shiitake-Pilze gehackt
- 6 EL Doenjang
- 6 EL Gochujang
- 6 EL Mirin
- 2 EL Gochugaru
- 8 Cheongyang-Chilis fein gehackt
- 2 EL Sesamöl
- 10 EL Sesamsamen fein gemahlen (im Mörser zerstoßen und anschließend durch ein Passiertuch gestrichen oder kurz gemixt)
- Salatblätter zum Servieren
Anleitungen
Zubereitung
- Den Thunfisch in einem Sieb abtropfen lassen und dabei das Öl auffangen. Anschließend den Thunfisch grob zerpflücken.400 g Thunfisch aus der Dose, Öl aus den Thunfischdosen

- Eine Pfanne erhitzen und das aufgefangene Öl aus den Thunfischdosen hineingeben.

- Die gehackte Zwiebel dazugeben und anbraten.1 Zwiebel

- Gehackte Frühlingszwiebel, gehackten Knoblauch und gehackte Shiitake-Pilze dazugeben.1 Stange Frühlingszwiebel, 4 EL Knoblauch, 6 frische Shiitake-Pilze

- Den Thunfisch hinzufügen und kurz mitbraten.

- Doenjang, Gochujang, Mirin, Gochugaru und Cheongyang-Chilis einrühren und alles unter Rühren anbraten.6 EL Doenjang, 6 EL Gochujang, 6 EL Mirin, 2 EL Gochugaru, 8 Cheongyang-Chilis

- Sesamöl und gemahlenen Sesam unterrühren, bis alles gleichmäßig vermengt ist.2 EL Sesamöl, 10 EL Sesamsamen

- Mit Salatblättern servieren und genießen.Salatblätter

Notizen
- Für weniger Schärfe einfach die Menge Gochugaru und/oder die Anzahl der Cheongyang-Chilis reduzieren.
- Fein gemahlener Sesam sorgt für eine dickere Konsistenz und ein nussigeres Aroma: Nur in kurzen Impulsen mixen, damit er nicht zu einer Paste wird.
- Falls die Pfanne zu trocken wird, zusätzlich zum aufgefangenen Thunfischöl einen kleinen Schuss neutrales Öl hinzufügen.
